Wer sich vorgenommen hat, diesen Sommer weniger Bier zu trinken, hat in der Schweiz schlechte Karten. Zwischen Juni und August reiht sich ein Bierfestival ans nächste – dazu kommen Bierwanderungen, Tap Takeovers und Degustationen mit Aussicht auf Seen, Berge und Altstädte.
Los geht’s am 6. Juni mit dem ZAPF! Festival in Bern. Rund 20 Brauereien, gutes Essen und der berüchtigte ZAPF!-Quiz sorgen dafür, dass man meist länger bleibt als ursprünglich geplant. Nur eine Woche später folgt das 7. Bülacher Bier Fest am 13. und 14. Juni 2026, bevor am 20. Juni 2026 die beliebte Bierwanderung Oberburg im Emmental stattfindet.
Nicht nur die Deutschschweiz hat diesen Sommer ein volles Bierprogramm. Das Festipiousse in Echallens feiert am 12. und 13. Juni 2026 seine elfte Ausgabe. Das renommierte Lausanne Beer Celebration lockt traditionell im Sommer zahlreiche Besucherinnen und Besucher an und bringt Brauereien aus der Schweiz, Europa und den USA zusammen. Hier entdeckt man oft die spannendsten Kleinbrauereien der Region – Biere, die man ausserhalb des Festivals kaum irgendwo findet.
Wer Bier und Natur verbinden möchte, sollte sich die Bierwanderungen vormerken. Die Bierwanderung Murtensee führt entlang einer der schönsten Landschaften der Region und verbindet deutsch- und französischsprachige Bierkultur auf einzigartige Weise. Ein weiteres Highlight folgt am 15. August 2026 mit der 8. Schlierbacher Bierwanderung, bei der sieben Schweizer Brauereien und 28 verschiedene Biere entlang der Route entdeckt werden können.
WeiterlesenDer Mai ist in der Kulinarik ein Monat des Aufbruchs. Die schweren Eintöpfe des Winters sind längst vergessen, und die Küche wird geprägt von frischen, grünen und oft feinsäuerlichen Aromen. Doch welches Bier passt zu den Stars der Saison, wenn wir die klassischen Weinpfade verlassen? Hier ist unser Guide für das perfekte Zusammenspiel von Schweizer Craft-Bieren und Frühlingsküche.
Weisser Spargel ist eine Herausforderung für jede Begleitung. Seine dezenten Bitternoten und die feine Textur verlangen nach einem Partner, der nicht dominiert. Ein klassisches, trockenes Pils wie das Regio Pils von Unser Bier ist hier ideal. Die feine Kohlensäure und die dezente Hopfenbittere harmonieren wunderbar mit der Sauce Hollandaise, ohne den Spargel zu überlagern.
Bärlauch bringt eine intensive, knoblauchähnliche Schärfe mit sich, ob im Pesto oder in der Knödelform. Um hier gegenzuhalten, braucht es ein Bier mit Körper und einer aromatischen Hopfenstruktur. Das Mountain Pale Ale von Davoser Craft Beer ist mit seinen Zitrusnoten und der präsenten, aber balancierten Bittere der perfekte Gegenspieler. Die ätherischen Öle des Bärlauchs und die fruchtigen Hopfenaromen verbinden sich zu einem intensiven Geschmackserlebnis.
WeiterlesenWer heute durch die Schweiz reist, findet fast überall lokale Brauereien: kleine Taprooms in ehemaligen Industriehallen, Dorfbrauereien mit eigenem Lagerbier, experimentelle Mikrobrauereien in Städten und kreative Kollaborationen zwischen Brauern, Restaurants und Bars. Das war vor 25 Jahren noch ganz anders.
Anfang der 2000er-Jahre war die Schweizer Bierlandschaft stark von wenigen Grossbrauereien geprägt. Die meisten Konsumentinnen und Konsumenten kannten hauptsächlich klassische Lagerbiere, regionale Unterschiede waren begrenzt, und Spezialitätenbiere blieben eine Ausnahme. Zwar gab es schon damals kleinere Brauereien, doch die moderne Craft-Bier-Bewegung steckte noch in den Kinderschuhen.
Ein wichtiger Wendepunkt kam in den 1990er-Jahren mit der Lockerung des Bierkartells. Jahrzehntelang hatten die grossen Schweizer Brauereien Preise, Vertriebswege und Bierstile stark kontrolliert. Mit dem Ende dieser Strukturen wurde der Markt offener – und plötzlich entstanden Freiräume für unabhängige Brauer, neue Ideen und kleinere Produktionen.
In den frühen 2000er-Jahren begann dann langsam die eigentliche Craft-Bier-Bewegung. Brauereien wie Bier Factory, gegründet im Jahr 2000 und registriert als Brauerei Nummer 114, gehörten zu jener Generation von Betrieben, die bewusst neue Wege gingen. Statt nur klassische Lagerbiere zu brauen, experimentierten viele Kleinbrauer mit hopfenbetonten Pale Ales, Stouts, Porters oder belgisch inspirierten Bierstilen.
WeiterlesenBitterkeit gehört zu den meistdiskutierten, aber auch missverstandenen Eigenschaften von Bier. Viele Konsumenten orientieren sich am IBU-Wert auf dem Etikett, um einzuschätzen, wie bitter ein Bier schmecken wird. Doch dieser Wert erzählt nur einen Teil der Geschichte. Entscheidend ist die wahrgenommene Bitterkeit.
IBU steht für International Bitterness Units und beschreibt den Gehalt an Iso-Alpha-Säuren aus dem Hopfen. Es handelt sich um eine technische Messgrösse für das Bitterkeitspotenzial.
Allerdings:
Ein Bier mit 80 IBU schmeckt daher nicht doppelt so bitter wie eines mit 40 IBU.
Die wahrgenommene Bitterkeit entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer Elemente.
Malz wirkt als Gegengewicht zur Bitterkeit. Biere mit mehr Körper und Restsüsse — etwa englische Bitters oder Amber Ales — erscheinen trotz spürbarer Bitterkeit weich und ausgewogen. Malzaromen wie Keks, Brot oder Karamell runden das Gesamtbild ab.
Alkohol verstärkt die Bitterkeitswahrnehmung. Kräftigere Biere wirken oft trockener und kantiger, selbst bei moderaten IBU-Werten. Leichtere Biere erscheinen hingegen harmonischer.
Nicht jede Bitterkeit ist gleich. Traditionelle englische Hopfen wie East Kent Goldings erzeugen eine milde, erdige Bitterkeit, während moderne Hopfensorten eine schärfere, harzigere Bitterkeit liefern können.
Auch der Zeitpunkt der Hopfengabe ist entscheidend:
Starke Kohlensäure verstärkt die Bitterkeit und sorgt für eine knackige, trockene Wahrnehmung. Weniger Kohlensäure macht das Bier weicher und runder — typisch für traditionelle Fassbiere.
Das Brauwasser beeinflusst die Bitterkeit erheblich. Sulfatreiches Wasser betont Hopfen und Trockenheit, chloridreiches Wasser hebt die Malzsüsse hervor. Viele klassische Bierstile entstanden genau aus diesen regionalen Wasserprofilen.
Es erklärt, warum:
IBUs sind ein Orientierungspunkt, kein Urteil. Wer glaubt, Bitterkeit nicht zu mögen, lehnt oft nur eine bestimmte Art von Bitterkeit ab — nicht die Bitterkeit an sich.
Richtig eingesetzt sorgt Bitterkeit für Struktur, Frische und Trinkfreude. Sie ist kein Wettkampf, sondern ein Werkzeug. Und genau darin liegt die Kunst des Bierbrauens.
WeiterlesenLange Zeit stand Craft Beer für Extreme: mehr Hopfen, mehr Alkohol, mehr Spektakel. Hazy IPAs, Double IPAs, limitierte Sonderabfüllungen mit ungewöhnlichen Zutaten dominierten den Markt. Doch parallel dazu entwickelt sich ein leiser, aber nachhaltiger Gegentrend: die Rückkehr klassischer Bierstile.
Diese Biere wurden nie dafür geschaffen, bei Verkostungen herauszustechen. Sie entstanden als Alltagsbiere — für Kneipen, Brauhäuser und den regelmässigen Genuss. Genau darin liegt heute ihre neue Stärke.
Stile wie English Bitter, Mild Ale, Kölsch, Altbier, Vienna Lager, Helles oder tschechisches Lager setzen auf Ausgewogenheit statt Übertreibung. Die Rezepte wirken schlicht, doch sie verlangen höchste Präzision. Jeder Fehler ist sofort schmeckbar.
Ohne intensive Hopfenaromen oder hohen Alkoholgehalt bleibt dem Brauer nur eines: sauberes Handwerk. Gärführung, Wasserprofil, Rohstoffqualität — alles muss stimmen.
WeiterlesenWenn der Hopfen im Spätsommer geerntet wird, beginnt für viele Craft-Beer-Fans die vielleicht spannendste Zeit des Jahres: die Saison der Grünhopfenbiere. Anders als klassische Biere, die mit getrockneten und pelletierten Hopfen gebraut werden, kommen hier frisch gepflückte, ungetrocknete Hopfendolden direkt vom Feld in den Sudkessel – oft innerhalb weniger Stunden nach der Ernte.
Historisch betrachtet ist das keine neue Idee. Bevor moderne Trocknungsanlagen Standard wurden, war frischer Hopfen selbstverständlich. Doch erst die Craft-Beer-Bewegung hat das Potenzial dieser Methode wiederentdeckt und zelebriert: als Ausdruck von Terroir, Erntejahr und handwerklicher Präzision. Denn Grünhopfen enthält deutlich mehr Wasser und empfindliche ätherische Öle – das macht ihn aromatisch explosiv, aber auch anspruchsvoll in Dosierung und Logistik.
Stilistisch ist „Grünhopfen“ keine eigene Biersorte, sondern eine Brauweise. Besonders beliebt sind Grünhopfen-IPAs und Pale Ales, aber auch Pilsner, Helles oder sogar Saison-Interpretationen profitieren vom frischen Hopfencharakter. Typisch sind intensive Noten von frisch geschnittenem Gras, Kräutern, Zitruszesten, manchmal auch Beeren oder Harz – oft weicher und „grüner“ als bei pelletiertem Hopfen.
Kulinarisch passen Grünhopfenbiere hervorragend zu gegrilltem Fisch, Meeresfrüchten oder Zitronen-Risotto. Auch Ziegenkäse, Burrata oder Gerichte mit frischen Kräutern greifen die lebendige Aromatik auf.
Kurz gesagt: Grünhopfenbier ist kein Alltagsbier – es ist ein saisonales Statement. Frisch, direkt und kompromisslos hopfenbetont. Wer Hopfen liebt, sollte sich diese kurze, intensive Saison nicht entgehen lassen.
Weiterlesen
Rund um den Internationalen Frauentag im März lohnt sich ein Blick auf die Rolle der Frauen in der Bierwelt. Historisch gesehen waren Frauen lange Zeit eng mit dem Brauen verbunden. In vielen Regionen Europas wurde Bier ursprünglich im Haushalt hergestellt, häufig von Frauen, die für den Eigenbedarf oder den lokalen Verkauf brauten. Mit der Industrialisierung des Brauwesens im 19. Jahrhundert verlagerte sich die Produktion jedoch zunehmend in größere Brauereien, und die Branche wurde stark männlich geprägt.
In den letzten Jahren hat die Craft-Beer-Bewegung dazu beigetragen, dieses Bild teilweise zu verändern. Die Entstehung vieler kleiner, unabhängiger Brauereien hat neue Möglichkeiten geschaffen und mehr Vielfalt in die Branche gebracht.
Ein Beispiel dafür ist Boss Beer, eine Familienbrauerei, die von Marcel und Trix Wenger aufgebaut wurde und heute auch von ihren beiden Töchtern mitgestaltet wird. Roxanne Wenger arbeitet als Braumeisterin und ist direkt an der Herstellung der Biere beteiligt, während ihre Schwester Calista Wenger als Getränketechnologin tätig ist und zur technischen Entwicklung der Brauerei beiträgt.
Bei der Celestial Brewery ist Marianne seit der Gründung der Brauerei im Jahr 2018 Teil des Projekts. Sie entwickelt die Namen der Biere, gestaltet Verpackungen und visuelle Elemente und betreut die Website sowie die sozialen Medien der Brauerei. Gleichzeitig ist sie in viele organisatorische Abläufe eingebunden und trägt so zur Identität der Marke bei.
Auch in der Brauerei Barfuss spielt Kreativität eine wichtige Rolle. Karin entwickelt ungewöhnliche Geschmackskombinationen und beschäftigt sich intensiv mit Bier-Food-Pairings. Ihre Ideen reichen von Kombinationen mit Lachs oder Karamell bis hin zu regionalen Spezialitäten wie dem Schlorzifladen. Darüber hinaus organisiert sie Veranstaltungen rund um Bier – von Themenabenden über Pub-Quiz bis hin zu Konzerten – und experimentiert gerne mit Bier in der Küche.
Diese Beispiele zeigen, wie vielfältig die Rollen von Frauen in der heutigen Schweizer Brauszene sind. Ob in der Produktion, in der kreativen Entwicklung der Biere oder in der Vermittlung von Bierkultur – ihre Beiträge tragen zur Dynamik und Vielfalt der Schweizer Craft-Beer-Landschaft bei.
Weiterlesen
Der Begriff Bitter klingt für viele zunächst abschreckend. Doch englische Bitterbiere sind alles andere als hart oder übermässig hopfig. Sie gehören zu den ausgewogensten, süffigsten Bierstilen überhaupt und sind ein fester Bestandteil der traditionellen britischen Pubkultur.
Trotz ihres Namens stehen englische Bitters vor allem für Balance. Gebraut mit englischem Malz und klassischen Hopfensorten wie Fuggles oder East Kent Goldings, zeigen sie feine, kräuterige und erdige Hopfennoten, getragen von einem milden, leicht biscuitartigen Malzkörper. Der Alkoholgehalt ist meist niedrig bis moderat—ideal für entspanntes, längeres Geniessen.
Während die Ordinary Bitter (oder Session Bitter) leicht und sehr süffig ist, gibt es weitere Varianten, die dem Stil mehr Tiefe und Charakter verleihen:
Best Bitter: Diese Version ist etwas vollmundiger und aromatischer als die Ordinary Bitter. Mit typischerweise 4,0 %–4,5 % Vol. zeigt sie mehr malzige Süße, oft mit Anklängen von Karamell oder Toastmalz, und eine ausgewogene, aber präsente Hopfenbittere. Food Pairing: Brathähnchen, Würste, Quiche, milde bis mittelkräftige Käse wie junger Cheddar oder milder Bergkäse.
Extra Special Bitter (ESB): Die ESB gilt als Höhepunkt der Bitterfamilie. Mit rund 5 % Vol. besitzt sie einen kräftigeren Körper, komplexere Aromen und eine fein abgestimmte Hopfenstruktur. Hier verschmelzen fruchtige Ester mit reicherer Malzigkeit — ein Bier mit Charakter, ohne schwer zu werden. Food Pairing: Rindfleischgerichte, Schmorbraten, Burger, Lamm oder gereifte Hartkäse.
Strong / Premium Bitter: Dieser Unterstil geht noch einen Schritt weiter: kräftiger, intensiver im Geschmack, mit reicheren Malzaromen und stärkerem Hopfenprofil. Obstige Nuancen, Toffee- oder Keks-Noten machen diese Bitterbiere zu einem besonderen Erlebnis. Food Pairing: Fleischpasteten, herzhafte Eintöpfe, Pilzgerichte, kräftiger Fish & Chips oder herbstliche Küche.
Diese Unterstile zeigen, wie variabel englische Bitter sein können — von leichter Alltagssüffigkeit bis hin zu komplexem, aromatischem Genuss. Für Schweizer Craft-Beer-Fans sind sie eine wunderbare Möglichkeit, klassische Brautraditionen zu erleben, die ohne Extreme auskommen und stattdessen auf Balance, Trinkbarkeit und feine Nuancen setzen.
Weiterlesen