Blog

14. August 2026

Welches Bier bei grosser Hitze?

Stellen Sie sich vor: 30 Grad im Schatten, kaum ein Lüftchen zur Abkühlung. Das Letzte, was Ihr Körper jetzt braucht, ist ein 7%iges IPA, das Sie wie ein Presslufthammer trifft. Was der Körper wirklich will, ist erfrischende, durstlöschende Leichtigkeit.

Als Erstes lohnt sich ein Blick auf den Alkoholgehalt. Ein Bier mit 4-5% wird besser verdaut, schlägt nicht zu und lässt, genauso wichtig, Platz für ein zweites Glas ohne Nickerchen auf der Terrasse. Diese alkoholärmeren Biere nennt man Sessions, und sie sind der ideale Sommerbegleiter.

Die Session IPA von Kitchen Brew erfüllt alle Kriterien für die Hitzewelle: kräftige Spät-Hopfung, fruchtig-würzige Aromen, dabei eine Leichtigkeit, die einen ganzen Nachmittag in der Sonne verzeiht. Der Beweis, dass weniger Alkohol nicht weniger Geschmack bedeutet.

Stile, die für Sommertage gemacht sind, nicht nachträglich angepasst

Manche Biere wurden nicht im Nachhinein für den Sommer angepasst, sie waren von Anfang an genau dafür gedacht. Der Gose-Stil ist dafür das perfekte Beispiel. Ihre salzige Note und die milchsäurehaltige Frische löschen den Durst fast wie Wasser, nur mit mehr Charakter. La Minérale von der Brasserie La Mine, gebraut mit Salz aus den Minen von Bex, ist dafür das perfekteste Schweizer Beispiel. Auf lamise.ch finden Sie die Ritterguts Gose aus Leipzig, die die historische Version des Stils bietet: trockener, weniger fruchtig. Zwei Ansätze, ein Reflex – Salz vor Malz suchen.

Weissbiere schlagen einen anderen Weg ein, landen aber am selben Punkt. Solalex von La Mine, mit Kümmel gebraut, überrascht mit unerwarteter Aromatik. Nanuq von Couvaloup spielt die klassischere Karte, leicht ab dem ersten Schluck. Keines der beiden erschlägt den Gaumen.

Die Serviertemperatur, das Detail, das alles verändert

Niemand mag ein lauwarmes Bier. Aber die richtige Temperatur zu finden, geht darüber hinaus. 4 bis 6°C sind ideal. Zu kalt, und die Aromen verschwinden komplett. Dann kann man auch gleich Mineralwasser trinken, was wir bei diesen wahnsinnigen Aussentemperaturen übrigens ebenfalls empfehlen.

Einfache Pairings, ohne es zu verkomplizieren

Bei Food-Pairings ist Einfachheit die sicherste Wahl. Gose zu Austern oder gegrillten Crevetten: die Salzigkeit verlängert das Meeresaroma. Weissbier zu Sommersalat oder rohem Fisch: die Zitrusnoten antworten sich. Session IPA zu gegrilltem Gemüse: die Fruchtigkeit trägt, ohne zu dominieren. Im Zweifel immer die unkomplizierteste Kombination wählen.

Hitzewelle hin oder her, nicht vergessen, ausreichend zu trinken: ein Glas Wasser zwischen zwei Bieren macht den Unterschied. Schweizer Craft Bier übersteht den Sommer sehr gut, solange man richtig wählt.

Weiterlesen
13. August 2026

Warum Schweizer Hopfen mehr Aufmerksamkeit verdient

Lange gab amerikanischer Hopfen den Ton an. Cascade, Citra, Mosaic: Namen, die für eine ganze Generation von Brauern zum Synonym für „aromatischer Hopfen“ wurden. Diese Dominanz hat natürlich Gründe. Das Klima, an der Pazifikküste zwischen Oregon und Washington, bietet perfekte Bedingungen für den Hopfenanbau: trockene Sommer, viel Sonne, vulkanische Böden voller Nährstoffe. Jahrzehntelang tat sich Europa schwer, bei der Aromaintensität mitzuhalten.

Doch Europa hat aufgeholt, und zwar schnell. In Deutschland liefert Mandarina Bavaria Zitrus- und Mandarinenaromen von verblüffender Präzision. Hüll Melon erinnert tatsächlich an frische Honigmelone, eine Sorte, die mit dem „erdigen“ Image deutscher Hopfen bricht. In Slowenien bringt Styrian Wolf fruchtige, blumige Noten, die sich vor Pazifik-Hopfen nicht verstecken müssen. Auch Frankreich hat etwas zu bieten: Barbe Rouge z.B. überrascht mit Rotfrucht-Aromen in einer hellen Ale. 

Selbst die Schweiz zieht nach, mit ersten Versuchsanbauten im Seeland und in der Romandie. Noch bescheiden, aber vielversprechend. Die Schweizer Hopfenproduktion deckt nur rund 10% des Bedarfs der Schweizer Braubranche, und nur wenige Hopfengärten sind im Land registriert, die meisten davon in der Deutschschweiz. Eine überraschende Zahl für ein Land mit solch hohem Bierkonsum. Doch eine Gegenbewegung ist spürbar: Hier und dort entstehen genossenschaftliche Projekte, getragen von Brauern und Hopfenfans, die ein paar Ranken hinter ihrem Gebäude pflanzen und daraus einen gemeinschaftlichen Garten machen. 

Für Schweizer Craft-Brauereien ändert das einiges. Mit europäischem Hopfen zu arbeiten bedeutet kürzere Transportwege, Unterstützung lokaler Anbauer, und Rezepte, die genauso ausdrucksstark sind wie mit ihren amerikanischen Pendants. Auch die Importkosten sinken, kein unwichtiges Argument für kleinere Brauereien.

Die Brasserie de la Meute zum Beispiel hat sich von Anfang an dafür entschieden. Sie geht sogar noch weiter. Jedes Jahr erntet die Brauerei Hopfen aus ihrem partizipativen Hopfengarten, gepflegt von Hopfenfreunden aus der Region, die ihre eigenen Pflanzen im eigenen Garten ziehen. Am Erntetag bringen sie ihre frisch gepflückten Dolden vorbei, oft noch feucht vom Morgentau. Bio-zertifiziert ist sie also nicht. Nicht wegen mangelnder Hopfenqualität. Sondern weil es schlicht absurd wäre, von jedem teilnehmenden Garten eine eigene Zertifizierung zu verlangen. Aber es erzählt etwas, das keine Zertifizierung einfangen kann: eine Gemeinschaft, die buchstäblich gemeinsam braut.

Bleibt eine offene Frage: Wird europäischer Hopfen eine Nischenalternative bleiben, oder irgendwann zum Standard in Schweizer Brauereien werden? Angesichts des Tempos, mit dem sich die Sorten weiterentwickeln, und der Energie, die Brauereien wie La Meute hineinstecken, wirkt Option zwei zunehmend wahrscheinlich.

Weiterlesen
17. Juli 2026

Ein neues Kapitel beginnt: SmartDistribution übergibt den Staffelstab an Nausikraft

Liebe Abonnentinnen und Abonnenten, liebe Freundinnen und Freunde des Schweizer Craft-Biers,

Mit grosser Freude, aber auch ein wenig Wehmut dürfen wir einen wichtigen Meilenstein bekannt geben: Ab August gehört SmartBeer offiziell zur Nausikraft.

Vor fast 15 Jahren haben wir SmartBeer gegründet und mit viel Herzblut aufgebaut. Nun ist für uns der richtige Zeitpunkt gekommen, die Verantwortung weiterzugeben und dem Projekt neue Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen. Wir sind überzeugt, dass Nausikraft der ideale Partner ist, um unsere Vision weiterzutragen und die Schweizer Braukultur auch in Zukunft zu fördern.

 

Von einem Studentenprojekt zu einer echten Community

Als wir SmartBeer 2012 ins Leben riefen, war es nichts weiter als ein Studentenprojekt und ein Hobby von Bierbegeisterten. Doch schon wenige Monate später wurden wir vom Erfolg überrascht. Vor Weihnachten bestellten plötzlich Menschen aus der ganzen Schweiz unsere Bier-Abos als Geschenke. Aus einer Abschlussarbeit wurde ein leidenschaftliches Nebenunternehmen, das dank eurer Treue Jahr für Jahr wachsen durfte.

Unsere Mission war von Anfang an klar: Schweizer Craft-Bier bekannter machen und kleinen Brauereien eine Bühne bieten. Damals steckte die Craft-Bier-Bewegung noch in den Kinderschuhen. Heute hat sich die Schweizer Bierlandschaft stark entwickelt – und mit ihr auch unsere Community. Unsere ursprüngliche Vision ist Wirklichkeit geworden. Der Markt hat sich verändert, ebenso das Konsumverhalten. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, SmartBeer in neue Hände zu übergeben und seine Zukunft langfristig zu sichern.

 

Nausikraft & La Mise en Bière – die logische Wahl

Dass Nausikraft und Gründer Daniel Lador SmartBeer übernehmen, fühlte sich für uns von Anfang an richtig an. Hinter Nausikraft steht auch La Mise en Bière, eines der ersten auf Craft-Bier spezialisierten Fachgeschäfte der Romandie, das bereits 2010 in Lausanne eröffnet wurde.

Neben der nötigen Logistik und dem Know-how, um SmartBeer weiterzuentwickeln, teilt das Team von Nausikraft unsere Werte und unsere Leidenschaft für regionale Braukunst. Unser Konzept könnte kaum in besseren Händen sein.

 

Ein herzliches Dankeschön

Von Herzen danken wir euch allen – unseren Abonnentinnen und Abonnenten, Kundinnen und Kunden, Brauereipartnern und allen, die uns auf unserem Weg begleitet haben. Ohne euch wäre diese wunderbare Reise nie möglich gewesen.

Nun schlagen wir ein neues Kapitel auf und blicken mit Stolz auf das Erreichte zurück. Der Übergang erfolgt ab August schrittweise. Eure monatlichen Bierboxen bleiben selbstverständlich bestehen und bringen euch weiterhin die spannendsten Schweizer Craft-Biere direkt nach Hause.

Zum Wohl, herzlichen Dank für eure Treue – und auf viele weitere Jahre Schweizer Craft-Bier!

– Léon & Lucien

Weiterlesen
7. Juli 2026

Schweizer Craftbier & Sommer-Barbecue

Wenn die Tage länger werden und laue Sommerabende zum Grillieren einladen, gibt es kaum etwas Schöneres als ein gemütliches Barbecue mit Familie oder Freunden. Und was passt besser zu feinen Grilladen als ein gutes Schweizer Craftbier? Das Sortiment von SmartBeer bietet eine grosse Vielfalt an Bierstilen, die jedes Grillgericht perfekt begleiten.

Hier sind einige genussvolle Bier- und Speisenkombinationen für Ihren nächsten Grillabend.

1. Lager & Grillwürste

Ein Schweizer Grillabend ohne Cervelat oder Bratwurst? Fast undenkbar. Ein frisches, süffiges Lagerbier passt hervorragend zu diesen Klassikern. Probieren Sie zum Beispiel La Minimale von der Brasserie La Mine, Rappi Hell von Bier Factory oder das Lager von BLZ. Ihre feinen Malzaromen, die angenehme Frische und die dezente Bittere gleichen den herzhaften Charakter der Würste wunderbar aus.

2. Weizenbier & Grillfisch

Ob Forelle, Egli oder Lachs – grillierter Fisch harmoniert hervorragend mit einem hellen Weizenbier. Solalex von der Brasserie La Mine, gebraut mit Kümmel, verleiht dem Bier eine besondere aromatische Note, die gegrillten Fisch hervorragend ergänzt. Auch das Weizen von Unser Bier, überzeugt mit seiner Frische und Leichtigkeit und ist der ideale Begleiter für warme Sommertage.

3. Pale Ale & Burger

Ein gelungenes Barbecue kommt kaum ohne Burger aus. Ob klassisch mit Rindfleisch, Poulet oder einer vegetarischen Alternative – Botanica von Couvaloup ist der perfekte Begleiter. Ihre fruchtigen Hopfenaromen und die ausgewogene Bitterkeit unterstreichen die Röstaromen des Grillguts, ohne den Geschmack von Fleisch, Käse oder karamellisierten Zwiebeln zu überdecken.

4. Session IPA & Grillgemüse

Grilliertes Gemüse ist längst mehr als nur eine Beilage. Peperoni, Zucchetti, Auberginen und Mais entwickeln über der Glut eine feine Süsse, die wunderbar mit einer hopfenbetonten Session IPA harmoniert. La Benjamine von der Brasserie La Mine bringt fruchtige Hopfenaromen und eine angenehme Bitterkeit mit, bleibt dabei aber leicht und erfrischend – perfekt für lange Sommerabende.

5. Blonde Ale & Grilliertes Poulet

Mariniertes Poulet gehört zu den beliebtesten Klassikern auf dem Grill. Mit Kräutern oder Zitrusfrüchten verfeinert passt es hervorragend zu einer Bartis 13 Blonde Légère oder einem Thunbier Golden Ale. Beide Biere bieten eine ausgewogene Malzsüsse und dezente Fruchtnoten, welche die feinen Röstaromen des Poulets wunderbar ergänzen.

6. Gose & Meeresfrüchte

Wer gerne etwas Aussergewöhnliches grilliert, sollte Crevetten oder andere Meeresfrüchte einmal mit La Mineuse, einer Gose der Brasserie La Mine, kombinieren. Ihre feine Säure und die dezente Salznote erinnern an das Meer und sorgen an heissen Sommertagen für ein besonders erfrischendes Geschmackserlebnis.

Tipps für gelungene Bier- und Grillkombinationen

  • Servieren Sie Craftbier gut gekühlt, aber nicht eiskalt. Bei einer Temperatur zwischen 6 und 8 °C entfalten die meisten Bierstile ihr volles Aroma.
  • Setzen Sie auf regionale Produkte. Schweizer Craftbier zusammen mit lokalen Zutaten bringt den Charakter unserer Regionen besonders schön zur Geltung.
  • Probieren Sie Neues aus. Gerade beim Food Pairing entstehen die spannendsten Geschmackserlebnisse oft durch überraschende Kombinationen.

Ob auf dem Balkon, im Garten oder am See – wenn das Grillfeuer knistert und die Berge in der Abendsonne leuchten, darf ein gutes Schweizer Craftbier nicht fehlen. Entdecken Sie die Vielfalt der Schweizer Brauereien, geniessen Sie regionale Spezialitäten und machen Sie Ihren nächsten Grillabend zu einem echten Genusserlebnis.

Zum Wohl und einen schönen Sommer!

Weiterlesen
6. Juni 2026

Schweizer Bierfestivals Sommer 2026

Wer sich vorgenommen hat, diesen Sommer weniger Bier zu trinken, hat in der Schweiz schlechte Karten. Zwischen Juni und August reiht sich ein Bierfestival ans nächste – dazu kommen Bierwanderungen, Tap Takeovers und Degustationen mit Aussicht auf Seen, Berge und Altstädte.

Los geht’s am 6. Juni mit dem ZAPF! Festival in Bern. Rund 20 Brauereien, gutes Essen und der berüchtigte ZAPF!-Quiz sorgen dafür, dass man meist länger bleibt als ursprünglich geplant. Nur eine Woche später folgt das 7. Bülacher Bier Fest am 13. und 14. Juni 2026, bevor am 20. Juni 2026 die beliebte Bierwanderung Oberburg im Emmental stattfindet.

Nicht nur die Deutschschweiz hat diesen Sommer ein volles Bierprogramm. Das Festipiousse in Echallens feiert am 12. und 13. Juni 2026 seine elfte Ausgabe. Das renommierte Lausanne Beer Celebration lockt traditionell im Sommer zahlreiche Besucherinnen und Besucher an und bringt Brauereien aus der Schweiz, Europa und den USA zusammen. Hier entdeckt man oft die spannendsten Kleinbrauereien der Region – Biere, die man ausserhalb des Festivals kaum irgendwo findet.

Wer Bier und Natur verbinden möchte, sollte sich die Bierwanderungen vormerken. Die Bierwanderung Murtensee führt entlang einer der schönsten Landschaften der Region und verbindet deutsch- und französischsprachige Bierkultur auf einzigartige Weise. Ein weiteres Highlight folgt am 15. August 2026 mit der 8. Schlierbacher Bierwanderung, bei der sieben Schweizer Brauereien und 28 verschiedene Biere entlang der Route entdeckt werden können.

Weiterlesen
18. Mai 2026

Food Pairing Guide: Der Geschmack des Mais im Glas

Der Mai ist in der Kulinarik ein Monat des Aufbruchs. Die schweren Eintöpfe des Winters sind längst vergessen, und die Küche wird geprägt von frischen, grünen und oft feinsäuerlichen Aromen. Doch welches Bier passt zu den Stars der Saison, wenn wir die klassischen Weinpfade verlassen? Hier ist unser Guide für das perfekte Zusammenspiel von Schweizer Craft-Bieren und Frühlingsküche.

1. Der Klassiker: Weisser Spargel & Pils

Weisser Spargel ist eine Herausforderung für jede Begleitung. Seine dezenten Bitternoten und die feine Textur verlangen nach einem Partner, der nicht dominiert. Ein klassisches, trockenes Pils wie das Regio Pils von Unser Bier ist hier ideal. Die feine Kohlensäure und die dezente Hopfenbittere harmonieren wunderbar mit der Sauce Hollandaise, ohne den Spargel zu überlagern.

2. Würzig & Wild: Bärlauch & Pale Ale

Bärlauch bringt eine intensive, knoblauchähnliche Schärfe mit sich, ob im Pesto oder in der Knödelform. Um hier gegenzuhalten, braucht es ein Bier mit Körper und einer aromatischen Hopfenstruktur. Das Mountain Pale Ale von Davoser Craft Beer ist mit seinen Zitrusnoten und der präsenten, aber balancierten Bittere der perfekte Gegenspieler. Die ätherischen Öle des Bärlauchs und die fruchtigen Hopfenaromen verbinden sich zu einem intensiven Geschmackserlebnis.

Weiterlesen
14. Mai 2026

Von Nischenbewegung zur Biernation: die Entwicklung der Schweizer Craft Bier Szene

Wer heute durch die Schweiz reist, findet fast überall lokale Brauereien: kleine Taprooms in ehemaligen Industriehallen, Dorfbrauereien mit eigenem Lagerbier, experimentelle Mikrobrauereien in Städten und kreative Kollaborationen zwischen Brauern, Restaurants und Bars. Das war vor 25 Jahren noch ganz anders.

Anfang der 2000er-Jahre war die Schweizer Bierlandschaft stark von wenigen Grossbrauereien geprägt. Die meisten Konsumentinnen und Konsumenten kannten hauptsächlich klassische Lagerbiere, regionale Unterschiede waren begrenzt, und Spezialitätenbiere blieben eine Ausnahme. Zwar gab es schon damals kleinere Brauereien, doch die moderne Craft-Bier-Bewegung steckte noch in den Kinderschuhen.

Ein wichtiger Wendepunkt kam in den 1990er-Jahren mit der Lockerung des Bierkartells. Jahrzehntelang hatten die grossen Schweizer Brauereien Preise, Vertriebswege und Bierstile stark kontrolliert. Mit dem Ende dieser Strukturen wurde der Markt offener – und plötzlich entstanden Freiräume für unabhängige Brauer, neue Ideen und kleinere Produktionen.

In den frühen 2000er-Jahren begann dann langsam die eigentliche Craft-Bier-Bewegung. Brauereien wie Bier Factory, gegründet im Jahr 2000 und registriert als Brauerei Nummer 114, gehörten zu jener Generation von Betrieben, die bewusst neue Wege gingen. Statt nur klassische Lagerbiere zu brauen, experimentierten viele Kleinbrauer mit hopfenbetonten Pale Ales, Stouts, Porters oder belgisch inspirierten Bierstilen.

Weiterlesen
15. April 2026

Bitterkeit im Bier

IBU vs. wahrgenommene Bitterkeit (und warum der Unterschied zählt)

Bitterkeit gehört zu den meistdiskutierten, aber auch missverstandenen Eigenschaften von Bier. Viele Konsumenten orientieren sich am IBU-Wert auf dem Etikett, um einzuschätzen, wie bitter ein Bier schmecken wird. Doch dieser Wert erzählt nur einen Teil der Geschichte. Entscheidend ist die wahrgenommene Bitterkeit.

Was messen IBUs wirklich?

IBU steht für International Bitterness Units und beschreibt den Gehalt an Iso-Alpha-Säuren aus dem Hopfen. Es handelt sich um eine technische Messgrösse für das Bitterkeitspotenzial.

Allerdings:

  • IBUs sagen nichts über Balance aus,

  • sie spiegeln nicht das tatsächliche Geschmackserlebnis wider,

  • oberhalb von etwa 80–100 IBU stösst die menschliche Wahrnehmung an ihre Grenzen.

Ein Bier mit 80 IBU schmeckt daher nicht doppelt so bitter wie eines mit 40 IBU.

Wahrgenommene Bitterkeit: das Zusammenspiel aller Faktoren

Die wahrgenommene Bitterkeit entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer Elemente.

1. Malz und Süsse

Malz wirkt als Gegengewicht zur Bitterkeit. Biere mit mehr Körper und Restsüsse — etwa englische Bitters oder Amber Ales — erscheinen trotz spürbarer Bitterkeit weich und ausgewogen. Malzaromen wie Keks, Brot oder Karamell runden das Gesamtbild ab.

2. Alkoholgehalt

Alkohol verstärkt die Bitterkeitswahrnehmung. Kräftigere Biere wirken oft trockener und kantiger, selbst bei moderaten IBU-Werten. Leichtere Biere erscheinen hingegen harmonischer.

3. Hopfensorte und Hopfengabe

Nicht jede Bitterkeit ist gleich. Traditionelle englische Hopfen wie East Kent Goldings erzeugen eine milde, erdige Bitterkeit, während moderne Hopfensorten eine schärfere, harzigere Bitterkeit liefern können.

Auch der Zeitpunkt der Hopfengabe ist entscheidend:

  • frühe Gaben erhöhen den IBU-Wert,

  • späte Gaben und Dry Hopping sorgen vor allem für Aroma.

4. Kohlensäure

Starke Kohlensäure verstärkt die Bitterkeit und sorgt für eine knackige, trockene Wahrnehmung. Weniger Kohlensäure macht das Bier weicher und runder — typisch für traditionelle Fassbiere.

5. Wasserprofil

Das Brauwasser beeinflusst die Bitterkeit erheblich. Sulfatreiches Wasser betont Hopfen und Trockenheit, chloridreiches Wasser hebt die Malzsüsse hervor. Viele klassische Bierstile entstanden genau aus diesen regionalen Wasserprofilen.

Warum dieses Wissen hilft

Es erklärt, warum:

  • englische Bitters ausgewogen und mild wirken,

  • tschechische Pilsner bitter, aber elegant sind,

  • West Coast IPAs scharf und trocken erscheinen,

  • Hazy IPAs trotz hoher IBUs weich schmecken.

Bier bewusst auswählen

IBUs sind ein Orientierungspunkt, kein Urteil. Wer glaubt, Bitterkeit nicht zu mögen, lehnt oft nur eine bestimmte Art von Bitterkeit ab — nicht die Bitterkeit an sich.

Richtig eingesetzt sorgt Bitterkeit für Struktur, Frische und Trinkfreude. Sie ist kein Wettkampf, sondern ein Werkzeug. Und genau darin liegt die Kunst des Bierbrauens.

Weiterlesen
Die Brauerei des Monats
Brasserie La Meute

Brasserie La Meute

Weitere Infos