Wenn der Hopfen im Spätsommer geerntet wird, beginnt für viele Craft-Beer-Fans die vielleicht spannendste Zeit des Jahres: die Saison der Grünhopfenbiere. Anders als klassische Biere, die mit getrockneten und pelletierten Hopfen gebraut werden, kommen hier frisch gepflückte, ungetrocknete Hopfendolden direkt vom Feld in den Sudkessel – oft innerhalb weniger Stunden nach der Ernte.
Historisch betrachtet ist das keine neue Idee. Bevor moderne Trocknungsanlagen Standard wurden, war frischer Hopfen selbstverständlich. Doch erst die Craft-Beer-Bewegung hat das Potenzial dieser Methode wiederentdeckt und zelebriert: als Ausdruck von Terroir, Erntejahr und handwerklicher Präzision. Denn Grünhopfen enthält deutlich mehr Wasser und empfindliche ätherische Öle – das macht ihn aromatisch explosiv, aber auch anspruchsvoll in Dosierung und Logistik.
Stilistisch ist „Grünhopfen“ keine eigene Biersorte, sondern eine Brauweise. Besonders beliebt sind Grünhopfen-IPAs und Pale Ales, aber auch Pilsner, Helles oder sogar Saison-Interpretationen profitieren vom frischen Hopfencharakter. Typisch sind intensive Noten von frisch geschnittenem Gras, Kräutern, Zitruszesten, manchmal auch Beeren oder Harz – oft weicher und „grüner“ als bei pelletiertem Hopfen.
Kulinarisch passen Grünhopfenbiere hervorragend zu gegrilltem Fisch, Meeresfrüchten oder Zitronen-Risotto. Auch Ziegenkäse, Burrata oder Gerichte mit frischen Kräutern greifen die lebendige Aromatik auf.
Kurz gesagt: Grünhopfenbier ist kein Alltagsbier – es ist ein saisonales Statement. Frisch, direkt und kompromisslos hopfenbetont. Wer Hopfen liebt, sollte sich diese kurze, intensive Saison nicht entgehen lassen.
Weiterlesen
Der Begriff Bitter klingt für viele zunächst abschreckend. Doch englische Bitterbiere sind alles andere als hart oder übermässig hopfig. Sie gehören zu den ausgewogensten, süffigsten Bierstilen überhaupt und sind ein fester Bestandteil der traditionellen britischen Pubkultur.
Trotz ihres Namens stehen englische Bitters vor allem für Balance. Gebraut mit englischem Malz und klassischen Hopfensorten wie Fuggles oder East Kent Goldings, zeigen sie feine, kräuterige und erdige Hopfennoten, getragen von einem milden, leicht biscuitartigen Malzkörper. Der Alkoholgehalt ist meist niedrig bis moderat—ideal für entspanntes, längeres Geniessen.
Während die Ordinary Bitter (oder Session Bitter) leicht und sehr süffig ist, gibt es weitere Varianten, die dem Stil mehr Tiefe und Charakter verleihen:
Best Bitter: Diese Version ist etwas vollmundiger und aromatischer als die Ordinary Bitter. Mit typischerweise 4,0 %–4,5 % Vol. zeigt sie mehr malzige Süße, oft mit Anklängen von Karamell oder Toastmalz, und eine ausgewogene, aber präsente Hopfenbittere. Food Pairing: Brathähnchen, Würste, Quiche, milde bis mittelkräftige Käse wie junger Cheddar oder milder Bergkäse.
Extra Special Bitter (ESB): Die ESB gilt als Höhepunkt der Bitterfamilie. Mit rund 5 % Vol. besitzt sie einen kräftigeren Körper, komplexere Aromen und eine fein abgestimmte Hopfenstruktur. Hier verschmelzen fruchtige Ester mit reicherer Malzigkeit — ein Bier mit Charakter, ohne schwer zu werden. Food Pairing: Rindfleischgerichte, Schmorbraten, Burger, Lamm oder gereifte Hartkäse.
Strong / Premium Bitter: Dieser Unterstil geht noch einen Schritt weiter: kräftiger, intensiver im Geschmack, mit reicheren Malzaromen und stärkerem Hopfenprofil. Obstige Nuancen, Toffee- oder Keks-Noten machen diese Bitterbiere zu einem besonderen Erlebnis. Food Pairing: Fleischpasteten, herzhafte Eintöpfe, Pilzgerichte, kräftiger Fish & Chips oder herbstliche Küche.
Diese Unterstile zeigen, wie variabel englische Bitter sein können — von leichter Alltagssüffigkeit bis hin zu komplexem, aromatischem Genuss. Für Schweizer Craft-Beer-Fans sind sie eine wunderbare Möglichkeit, klassische Brautraditionen zu erleben, die ohne Extreme auskommen und stattdessen auf Balance, Trinkbarkeit und feine Nuancen setzen.
WeiterlesenTrübe Optik, saftige Textur und intensive Fruchtaromen: Pulp Beers gehören zu den spannendsten Entwicklungen der modernen Craft-Beer-Szene. Für viele Bierliebhaber:innen sind sie längst mehr als ein Sommertrend – sie sind Ausdruck kreativer Braukunst und eines neuen Verständnisses von Bier als sensorisches Erlebnis.
Der Begriff Pulp Beer ist kein offiziell definierter Bierstil, sondern eher eine Stilbeschreibung, die sich aus der Praxis entwickelt hat. Seine Wurzeln liegen in den USA, insbesondere in der New-England-IPA-Bewegung der 2010er-Jahre. Brauereien begannen, grosse Mengen Fruchtpüree, Fruchtsaft oder Fruchtmark (engl. pulp) während oder nach der Gärung einzusetzen. Ziel war es, Bier noch aromatischer, weicher und zugänglicher zu machen – mit deutlicher Nähe zu Smoothies oder frisch gepressten Säften.
Von dort aus fand der Stil seinen Weg nach Europa und auch in die Schweiz, wo Craft-Brauer:innen das Konzept mit lokaler Handschrift, hochwertigen Rohstoffen und viel Fingerspitzengefühl weiterentwickeln.
Typisch für Pulp Beers sind:
Alkoholgehalt und Grundstil können variieren – von leichtem Session-Ale bis zu kräftigen IPAs oder Sours.
WeiterlesenDie Frage, ob Bier aus Dosen oder Flaschen getrunken werden sollte, ist unter Bierliebhabern seit Jahren ein Diskussionsthema. Jeder Behälter hat seine eigenen Vor- und Nachteile und beeinflusst die Qualität, den Geschmack und das Gesamterlebnis des Bieres. In diesem Artikel untersuchen wir die Unterschiede zwischen Dosen und Flaschen, um Ihnen bei der Wahl des Behälters zu helfen, der Ihren Vorlieben am besten entspricht.
Vorteile von Dosen
Nachteile von Bierdosen
Vorteile von Flaschen
Nachteile von Flaschen
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wahl zwischen Dosen und Flaschen von Ihren persönlichen Vorlieben, Ihren Umweltwerten und Ihrem Geschmacksempfinden abhängt. Wie auch immer Sie sich entscheiden, wichtig ist, dass Sie Ihr Bier unter den Bedingungen geniessen, die für Sie am besten geeignet sind.
Weiterlesen
Wenn man schon einmal unter einer Festzelt-Decke mit Musik, Brezen und guter Stimmung angestossen hat, ist die Chance gross, dass dabei ein Märzen im Glas war. Dieser Bierstil ist eng mit dem Oktoberfest verbunden – doch seine Geschichte beginnt lange vor Blasmusik und Masskrügen.
Das Wort Märzen bedeutet schlicht „März-Bier“. Bevor es moderne Kühltechnik gab, war das Brauen in den Sommermonaten riskant: warme Temperaturen förderten Bakterien, die Bier schnell verderben liessen. In Bayern löste man das Problem, indem man im März ein etwas stärkeres, malzbetontes Bier braute und es in kühlen Kellern – oft mit Eisböcken aus dem Winter – über die heissen Monate reifen liess. Im Herbst wurde das Bier dann feierlich angezapft. Mit der Zeit verband man dieses Ausschankfest mit den Erntefeiern und später mit dem Oktoberfest.
Märzen ist ein Lagerbier, also ein untergäriges Bier, das bei niedrigeren Temperaturen vergärt und langsam reift. Das Ziel ist Ausgewogenheit: malzige Aromen mit Noten von Brot oder Karamell, ohne zu süss zu sein, und dazu eine moderate Bitterkeit aus traditionellen Hopfensorten wie Hallertauer oder Tettnanger. Farblich reicht das Märzen von golden bis bernsteinfarben, mit einem mittleren Körper und einem klaren, sauberen Abgang. Der Alkoholgehalt liegt meist zwischen 5 und 6 %, was es geschmackvoll, aber dennoch gut trinkbar macht.
Wichtig ist die Lagerung – also das langsame Reifen bei kühlen Temperaturen. Dadurch wirkt das Bier rund, harmonisch und besonders „sauber“ im Geschmack. Es ist ein Bier, das Zeit braucht – und genau davon profitiert.
Weiterlesen
Wenn man über Bierstile spricht, denkt man oft sofort an die grossen und komplexen Namen: Imperial Stouts, Double IPAs, belgische Tripels… Und dann gibt es Stile, die eher bescheiden wirken, fast unscheinbar, die aber trotzdem unsere volle Aufmerksamkeit verdienen. Das Ordinary Bitter gehört genau in diese Kategorie.
Trotz seines Namens, der nach „gewöhnlich“ oder „langweilig“ klingt, ist das Ordinary Bitter in Wirklichkeit ein kleines Juwel voller Ausgewogenheit und Tradition. Dieser klassische englische Bierstil entstand in den Pubs Grossbritanniens und wurde vor allem für eins gebraut: gemütliches Beisammensein bei einem guten Gespräch.
Das Ordinary Bitter gehört zur grossen Familie der englischen Bitters, die in verschiedene Stärken unterteilt sind: Ordinary, Best und Strong (oder Extra Special Bitter, kurz ESB). Die „Ordinary“-Version ist die leichteste, meist zwischen 3,2 % und 3,8 % Alkohol. Es ist ein echtes „Session Beer“ – man kann also problemlos ein oder zwei Pints trinken, ohne sich erschlagen zu fühlen.
Geschmacklich dominiert der Malzcharakter, mit Noten von Keks, leichtem Karamell oder geröstetem Brot. Dazu kommt eine sanfte, kräuterige Bittere, die typischerweise von englischen Hopfensorten wie Fuggle oder East Kent Goldings stammt. Nichts Lautes oder Übertriebenes, sondern eine subtile und harmonische Komposition.
WeiterlesenSchaut man sich die Regale einer Craft-Bier-Abteilung oder die Bierkarte in einer Bar an, stechen sie sofort ins Auge: Etiketten, auf denen nicht nur ein, sondern gleich zwei oder mehr Brauerei-Logos zu sehen sind. Kollaborationsbiere sind längst keine Seltenheit mehr – sie haben sich zu einem festen Bestandteil der Schweizer Craft-Bier-Szene entwickelt. Doch woher kommt dieser Trend? Und warum funktioniert er so gut?
Von Anfang an war die Schweizer Szene geprägt von gegenseitiger Unterstützung. Es ging weniger um offizielle Projekte, sondern darum, dass erfahrene Brauer Newcomern mit Wissen, Tipps und manchmal auch Equipment zur Seite standen. Die ersten offiziellen Kollaborationen, oft mit internationalen Partnern, fühlten sich wie richtige Meilensteine an: kultureller Austausch, Lernen von den Besten – und jede Menge Begeisterung.
Heute ist dieser Spirit zu einem regelrechten Phänomen geworden, das die Szene prägt. Aber was macht Kollabs so attraktiv?
WeiterlesenWer an ein IPA denkt, hat meist sofort ein golden bis bernsteinfarbenes Bier vor Augen, das vor Hopfenaromen nur so strotzt. Aber was wäre die Craft-Bier-Welt, wenn Brauer nicht regelmässig die Regeln brechen würden? Ein spannendes Ergebnis dieser Experimentierfreude ist das Black IPA – ein Stil, der dunkle Malzaromen mit der typischen Hopfenpower eines India Pale Ale verbindet.
Wie so viele Trends in der Craft-Beer-Welt, so startet auch die Erfolgsgeschichte des Black IPA in den USA, genauer gesagt in den frühen 2000ern. An der Westküste hatten einige findige Brauer eine geniale Eingebung: Was, wenn man die dunkle Röstnote eines Porters mit der fruchtigen Hopfen-Explosion eines American IPA vereinen könnte?
Unter dem Namen Cascadian Dark Ale – eine Hommage an die Kaskaden-Bergkette, die Heimat vieler dieser ersten Brauereien – eroberte der Stil zunächst den Nordwesten der USA im Sturm. Aus dieser Hochburg der Braukunst trat das Black IPA schließlich seinen Siegeszug an und eroberte nach und nach die Herzen von Hopfenfans und Dunkelbiertrinkern auf der ganzen Welt.
Das Besondere beim Black IPA ist die Balance zwischen Hopfen und Malz. Die dunkle Farbe kommt von speziell geröstete Malze, die allerdings so gewählt werden, dass sie vor allem Farbe und leichte Röstaromen einbringen, ohne das Bier zu sehr nach Kaffee oder Schokolade schmecken zu lassen. Gleichzeitig setzen die Brauer auf eine kräftige Hopfengabe – oft amerikanische Sorten wie Cascade, Citra oder Simcoe. Das Endergebnis: ein Bier, das im Glas schwarz wie ein Stout ist, in der Nase aber tropische Frucht, Zitrus und Pinie entfaltet.
Weiterlesen