Pulp Beer – Wenn Frucht auf Handwerk trifft

Trübe Optik, saftige Textur und intensive Fruchtaromen: Pulp Beers gehören zu den spannendsten Entwicklungen der modernen Craft-Beer-Szene. Für viele Bierliebhaber:innen sind sie längst mehr als ein Sommertrend – sie sind Ausdruck kreativer Braukunst und eines neuen Verständnisses von Bier als sensorisches Erlebnis.

Ursprung und Einordnung des Stils

Der Begriff Pulp Beer ist kein offiziell definierter Bierstil, sondern eher eine Stilbeschreibung, die sich aus der Praxis entwickelt hat. Seine Wurzeln liegen in den USA, insbesondere in der New-England-IPA-Bewegung der 2010er-Jahre. Brauereien begannen, grosse Mengen Fruchtpüree, Fruchtsaft oder Fruchtmark (engl. pulp) während oder nach der Gärung einzusetzen. Ziel war es, Bier noch aromatischer, weicher und zugänglicher zu machen – mit deutlicher Nähe zu Smoothies oder frisch gepressten Säften.

Von dort aus fand der Stil seinen Weg nach Europa und auch in die Schweiz, wo Craft-Brauer:innen das Konzept mit lokaler Handschrift, hochwertigen Rohstoffen und viel Fingerspitzengefühl weiterentwickeln.

Was macht ein Pulp Beer aus?

Typisch für Pulp Beers sind:

  • Starke Trübung durch Fruchtbestandteile und Hefe
  • Intensive Fruchtaromen wie Mango, Passionsfrucht, Himbeere, Aprikose oder Zitrus
  • Cremiges Mundgefühl, oft unterstützt durch Hafer oder Weizen
  • Zurückhaltende Bitterkeit, damit die Frucht im Vordergrund steht

Alkoholgehalt und Grundstil können variieren – von leichtem Session-Ale bis zu kräftigen IPAs oder Sours.

Verschiedene Arten

Pulp Beers zeigen sich in vielen Facetten:

  • Fruited IPAs & NEIPAs: saftig, hopfenbetont, tropisch
  • Fruited Sours: erfrischend sauer, oft mit Beeren oder Steinfrüchten
  • Smoothie Sours: extrem fruchtig, dickflüssig, fast dessertartig
  • Pulp Lagers oder Ales: seltener, aber spannend durch Kontrast von Frucht und Klarheit

Food Pairings – überraschend vielseitig

Dank ihrer Fruchtigkeit sind Pulp Beers hervorragende Essensbegleiter:

  • Zu Käse: Frischkäse, Ziegenkäse oder Blauschimmel
  • Zu asiatischer Küche: Thai, vietnamesisch oder koreanisch
  • Zu Desserts: Cheesecake, Panna Cotta, Fruchttarte
  • Oder einfach solo, als aromatischer Genussmoment

Fazit

Pulp Beers sind verspielt, modern und manchmal polarisierend – aber immer Ausdruck von Kreativität. Für neugierige Bierentdecker:innen bieten sie eine wunderbare Abwechslung im Verkostungsalltag und zeigen, wie vielfältig Bier heute sein kann. Offenheit lohnt sich – denn manchmal steckt im Glas mehr Frucht, als man erwartet. 

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