Punkt zwölf Uhr, Samstag, 24. Oktober. Die Glocke der Martinskirche läutet, und Basel feiert zwei Wochen die „Herbstmesse“, zum 555. Mal. Riesenrad, Autoscooter, der Duft von heissem Zucker zieht in die Seitengassen. Und Stände, die seit Jahrhunderten mehr oder weniger dasselbe verkaufen. Degustieren will dort niemand. Man kommt wegen des Lärms und der Lichter – und geht mit einer Tüte zu viel unter dem Arm wieder nach Hause.
Gegessen wird entweder sehr süss oder sehr käsig. Der Glühwein gibt sein Bestes. Ein gut gewähltes Craft-Bier kann mehr.
Magenbrot: der Klassiker schlechthin
Diese kleinen glasierten Lebkuchenwürfel duften nach Gewürznelke, Zimt und Sternanis. Der häufigste Fehler ist ein zu trockenes oder zu bitteres Bier, denn die Glasur überdeckt alles und die Bittere wirkt plötzlich fast metallisch. Besser geeignet ist ein Dubbel wie das von Brüllbier oder ein würziges Amber Ale: Das karamellisierte Malz antwortet auf die Süsse, während die Hefearomen die Gewürznoten verlängern, statt ihnen entgegenzuwirken.
Nimmst du ein Säckli mit nach Hause? Dann schenk das Bier bei 10 bis 12 Grad ein. So öffnen sich die Aromen.
Mässmogge: purer Zucker, mit Haselnuss obendrauf
Die Zuckerstängel gibt es mit und ohne Haselnussfüllung. Um ihnen Paroli zu bieten, empfiehlt sich ein Bier mit Röstnoten. Ein Brown Ale wie das Phacochère von La Meute entfaltet Kaffee- und Kakaoaromen, die der Süsse entgegenwirken und die Haselnuss aufgreifen. Ein kleiner Schluck zwischen zwei Bissen genügt.
Chäsbängel: das Fondue im Baguette
Ein mit Fondue-Käse gefülltes Baguette, dampfend serviert und im Stehen zwischen zwei Fahrgeschäften genossen. Hier macht die Spritzigkeit die Arbeit. Eine trockene Saison oder ein kräftig gehopftes Pils erfrischt den Gaumen und mildert das Fettgefühl. Die leichte Bitterkeit macht Lust auf mehr. Die Windstill Hell von Kitchenbrew ist hierfür eine ausgezeichnete Wahl.
Der schweizerische Reflex zum Käse ist der Fendant. Doch ein gutes Bier hält dem Vergleich mühelos stand. Meide einfach zu schwere Biere: In Kombination mit Käse können sie schnell zu wuchtig wirken.
Rosenküchlein: einfach und wirkungsvoll
Diese rosenförmigen Krapfen werden grosszügig mit Puderzucker bestäubt. Dazu passt hervorragend ein Weissbier oder ein leichtes, fruchtiges Weizen wie das Hermine der Brasserie de La Mine.
Die Messe zu Hause
Die Herbstmesse dauert noch bis zum 8. November. Doch die besten Kombinationen geniesst man manchmal am ruhigsten Ort – am Küchentisch, mit den Entdeckungen des Tages vor sich ausgebreitet. Pack ein Säckli Magenbrot ein. Das Bier steht ja schon kalt.